ZUR KREISGESCHICHTE

Der Westerwald war über Jahrhunderte Grenzraum ohne starke politische und kulturelle Zentrierung. Er war Grenzzone Kurkölner und Kurtrierer Einflüsse, die aber den Herrschaftsbereichen des eingesessenen Adels, so der Herren bzw. Grafen von Sayn, Westerburg, Wied und Nassau, genügend Raum ließen.

In den Stürmen der französischen Revolution zerfielen die alten Ordnungen. Nassau-Weilburg erhielt 1802 als Entschädigung für verlorenen linksrheinischen Besitz die rechtsrheinischen Teile von Kurtrier. Durch die Rheinbundakte wurden dem Herzogtum Nassau, der Fürsten von Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg 1806 die Wiedschen Fürstentümer einverleibt. Gleichzeitig wurden die nassau - oranischen Ämter und die Herrschaft von Westerburg dem französischen Großherzogtum Berg zugeteilt. Der Prinz von Oranien erhielt 1813 diese Landesteile zurück, die jedoch schon 1815 durch einen Austausch zum Herzogtum Nassau kamen.

Damit war das Land zum ersten Mal in einem größeren Flächenstaat vereinigt. Verwaltet wurde es im heutigen Kreisgebiet von den nassauischen Ämtern Montabaur, Wallmerod, Selters, Marienberg und Hachenburg. Vorübergehend und zwar von 1849 bis 1854 war die Verwaltung in größeren Kreisämtern vereinigt. Damals war Hachenburg zugleich für Marienberg und Selters zuständig, während Rennerod nach Herborn, Wallmerod nach Hadamar und Montabaur nach Nassau zugeteilt wurden. Als das Herzogtum Nassau 1866 Preußen als Sieger zufiel, wurde es als Regierungsbezirk Wiesbaden der Provinz Hessen-Nassau zugeteilt. Nach preußischem Vorbild wurden 1867 Landkreise eingerichtet, der Oberwesterwaldkreis in Marienberg für die Ämter Hachenburg, Marienberg und Rennerod, der Unterwesterwaldkreis mit den Ämtern Montabaur, Selters und Wallmerod. Angesichts gestiegener Verwaltungsaufgaben wurden 1885/86 im Zusammenhang mit dem Erlass einer Provinzial- und  Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau die Kreise des Regierungsbezirks Wiesbaden neu abgegrenzt und von 12 auf 18 erhöht, dabei in der Westerwaldregion ein dritter Kreis errichtet, der Kreis Westerburg, zu dem der Oberwesterwaldkreis das Amt Rennerod und der Unterwesterwaldkreis das Amt Wallmerod sowie einige Ortschaften des Amtes Selters abtrat.
So vollzog sich der Gang der Geschichte im Westerwälder Land von 1866 innerhalb dreier Kreise, bis 1932 im Zuge einer Verwaltungsreform, die von der Weltwirtschaftskrise hervorgerufen worden war, der Kreis Westerburg mit dem alten Oberwesterwaldkreis zu einem neuen Oberwesterwaldkreis mit Sitz in Westerburg zusammengeschlossen wurde. Unter wiederum neuen Gegebenheiten wurden 1974 Ober- und Unterwesterwald zum heutigen Westerwaldkreis mit Sitz in Montabaur zusammengeschlossen. Mit dieser Kreisgründung ist der Kernraum des Westerwaldes nach langer Zeit aus dem Schattendasein reiner Grenzregionen herausgetreten, das über Jahrhunderte in der Konkurrenz verschiedener Landesherren sein Schicksal bestimmte und manche positive Entwicklung verhinderte.